Big Nose in Deutschland angekommen aber fahruntüchtig

Please use the google translator to read the article in english. It is a funny translation 🙂

Vorwort

Wo bleibt nur die Zeit. Schon lange sollte sie fertig sein und den Blog bereichern, unsere Story zur Abholung von Big Nose in Bremerhaven. Anfang Juni, sieben Wochen nachdem wir unseren alten Schulbus in Galveston, Texas, zum Hafen gebracht haben, konnten wir ihn in Deutschland in Empfang nehmen.

Am ersten Juni-Wochenende stand das, von der GI-Jive Swing-Company organisierte, Jump´n´Jive BBQ in Linz am Rhein an. Mit viel Liebe zum Detail wurde der Veranstaltungsort für die amerikanische Zeitreise in das Jahr 1946 dekoriert und hergerichtet. Wir waren erfreut, dass Big Nose in Bremerhaven zeitig abholbereit war, sollte er doch die Attraktion der Party werden. So düsten wir noch schnell vor dem Partywochenende in den Norden – im Gepäck ein Werkzeugkoffer, ein Benzinkanister und die Ungewissheit, was mit Big Nose los ist. Denn die Spedition teilte uns mit: „Der Bus musste vom Schiff geschleppt werden, weil er nicht mehr ansprang.“ Das war die einzige Information, die wir bekamen.

Wie viele von Euch wissen, hat es Big Nose von Bremerhaven bis Linz am Rhein geschafft. Welche Hürden wir dafür nehmen mussten, davon wollen wir Euch natürlich noch erzählen. Die Party im Hotel Weinstock war ein voller Erfolg. Das Interesse am 1952er GMC Schulbus war groß, denn viele kennen Big Nose mittlerweile aus Berichten, von Facebook und vom Hörensagen.

Aber dann gingen die Tage ins Land. Der Alltag hat mich seither fest im Griff, das miese Wetter drückt auf die Stimmung und nach Feierabend bin ich einfach müde und geschafft. Deshalb eile ich jetzt in die Küche, lege mich unter die Kaffeemaschine und hoffe, dass mich reichlich Koffein fit hält, bis der Artikel fertig ist. In diesem Sinne „zum Wohl“  🙂

 

Big Nose ist in Bremerhaven eingetroffen aber nicht fahrbereit

 

Am 14. April 2016 endete unser dreiwöchiges Bus-Abenteuer am Port of Galveston in Texas. Es sollte noch ein paar Tage dauern, dann würde Big Nose seine Reise nach Deutschland antreten. Als es soweit war, schickte Hafenarbeiter James Atteberry uns Fotos, auf denen er mit unserem Bus im Bauch des Schiffes zu sehen war. Ein paar Wochen trennten uns noch von einem Wiedersehen mit dem blauen Gefährt, das uns zuverlässig über 4.000 Kilometer durch Amerika gefahren hatte. Wir warteten sehnsüchtig. Endlich, die ersehnte Nachricht, das Schiff habe im deutschen Bremerhaven Anker geworfen, erreichte uns Ende Mai. Es dauerte noch Tage, bis alles verzollt und abgerechnet war und die nächste Hiobsbotschaft erreichte unseren Busbesitzer B.G.: der Bus musste vom Schiff geschleppt werden.
Da er nicht in einem Container verschifft wurde, sondern per „roll on, roll off“, war ein fahrbereiter Bus die Voraussetzung für die Verschiffung. Ihr erinnert Euch sicher – bevor wir Big Nose am Hafen in Galveston übergaben, klebten wir eine Starter-Kurzanleitung (auf deutsch und englisch) neben das Lenkrad. Wir gingen davon aus, dass diese auf beiden Sprachen verständlich sei und verließen uns darauf, dass es die Hafenarbeiter gewohnt sind, verschiedenartige Fahrzeuge zu bewegen.

createandtravel-bremerhaven-37aNun beschäftigte uns die Frage, was defekt sein könnte, weshalb man den Bus nicht starten konnte und wie wir ihn jetzt dort wegbekommen sollten. Als endlich die Freigabe für die Abholung kam, vereinbarte B.G. sofort einen Termin mit der Spedition Interfracht, über die der Transport abgewickelt wurde. Wir beschlossen zu dritt in den Norden zu fahren, konnten glücklicherweise kurzerhand einen Tag Urlaub nehmen und verabredeten uns für den Folgetag.

Der Wecker klingelte, nachdem ich eben eingeschlafen war. Es war noch dunkel, ich war aufgeregt, etwa so, wie kurz vor der Abreise in den Urlaub. Mein Mann „Bowl-O-Rama“, der uns in den drei Wochen des Bus-Abenteuers leider nicht begleiten konnte, war heute mit von der Partie. Als der Wecker 4:00 Uhr anzeigte, standen wir bereits am Auto und warteten auf B.G., der schon 100 km Wegstrecke hinter sich hatte, als er bei uns in Wuppertal ankam. Schnell verluden wir seine Werkzeugkiste, einen Benzinkanister und was man so brauchen könnte, wenn man nicht weiß, was am Fahrzeug eigentlich kaputt ist. Wir brausten los, dem Sonnenaufgang und Bremerhaven entgegen.
Noch vor dem ersten Berufsverkehr erreichten wir uns Ziel um 7:30 Uhr. Naja, fast. Mit Interfracht hatten wir uns für 8:00 Uhr verabredet, die halbe Stunde bot sich für eine Kaffeepause an. Vorher wollten wir aber wissen, wo sich das Büro von Interfracht befindet – so ein Hafengelände ist groß. Also fütterten wir das Navi mit der Adresse, die wir erhalten hatten, doch irgendwie war die Hausnummer nicht auffindbar. Mehrere Male drehten wir, fuhren die Straße rauf und runter, bogen in Seitenstraßen ab. Nichts zu sehen. Und dazu musste ich seit zwanzig Minuten meinen Morgenkaffee wegbringen, langsam wurde es knapp, aber Interfracht war einfach nicht zu sehen …  Das Zollamt – die haben sicher eine Toilette … netterweise durfte ich mich am Schalter vorbeischleichen und konnte mich erleichtern. Die merkwürdigen Blicke, die ich auf mich zog, galten wohl meinem Outfit. Schon seltsam, wenn man in Deutschland mit den Arbeitsanzügen herumläuft. Währenddessen nutzten die Jungs die Gelegenheit und setzten sich telefonisch mit Interfracht in Verbindung. Und die lotsten uns ganz woanders hin und entschuldigten sich für die falsche Angabe.

Die halbe Stunde war längst vergangen, also nahmen wir Kurs auf die Spedition. Dort trafen wir auf drei sehr sympathische Mitarbeiter*innen, denen wir von unserem Bus-Abenteuer erzählten. Man händigte uns die Abholpapiere aus, zeigte uns, wo wir als nächstes hin müssten und zum Abschluss machte Bowl-O-Rama noch ein tolles Foto zur Erinnerung. Ein Blick aus dem Fenster ließ uns kurz staunen, auf dem Parkplatz hinter dem Gebäude standen ein paar ganz nette Fahrzeuge …

Nachdem wir in einem fünfzig Meter entfernt liegenden Container-Büro erfuhren, wo wir uns für die Abholung anzumelden hätten, machten wir uns auf den Weg zur nächsten Station auf dem riesigen Hafengebiet. Neben der Zufahrt für das Container Terminal befindet sich die Auftragsannahme „High & Heavy“. Groß und schwer, hier sind wir richtig 🙂 Wie schon bei Interfracht überreichte ich allen Leuten unsere schönen Postkarten mit den Worten „den Bus hier wollen wir abholen“. Ein Mitarbeiter der BLG Logistics prüfte unsere Papiere, während die Männer, die hinter uns warteten, uns neugierig musterten. Als die Frage aufkam, ob wir mit einem Schlepper hier wären um den Bus abzuholen, mussten wir grinsen und antworteten aufgeregt „nein, den Bus fahren wir selbst hier weg“.  Der Mitarbeiter händigte uns eine Chipkarte für die Zufahrt zum Container Terminal aus und erklärte uns, wir sollten auf dem großen Parkplatz auf einen anderen Mitarbeiter warten, der uns dort abholen würde.
Gesagt getan, fuhren wir mit unserem Auto durch die Schranke und warteten auf der dahinter liegenden Parkfläche. Wir sahen direkt auf die großen Containerschiffe, auf LKWs, Militärfahrzeuge und viele andere Autos, die aufgereiht da standen. Der Himmel war wolkenbehangen und wir noch etwas müde vom frühen Aufstehen. Und was macht man, wenn man sich die Zeit vertreiben will? Mit dem Essen spielen und sich dabei fotografieren – so geschehen mit den „Salami-Zigarren“. An dieser Stelle darf ich allerdings nur die jugendfreien Fotos zeigen!

Selfie

Ähnlich wie in Galveston wurden wir auch in Bremerhaven von Herrn Frank, einem Mitarbeiter der BLG Logistics, in Empfang genommen und zu unserem Bus eskortiert. Die Aufregung war groß – wo steht Big Nose? Geht es ihm gut? Was genau ist defekt, warum springt er nicht an? Ist noch alles da, alles dran? Wir fuhren auf das große rote Containerschiff zu, bogen links ab und dann, auf der rechten Seite, da stand er. Der erste Blickkontakt, die Freude war groß, er ist tatsächlich hier in Deutschland. Sofort stiegen wir aus dem Auto um unseren Bus zu begutachten. Augenscheinlich fehlte nichts, die Ersatzteile waren da, der Bus war in Ordnung. B.G. und Bowl-O-Rama öffneten die Motorhaube und warfen einen prüfenden Blick in den Motorraum. Da fiel ihnen sofort auf, dass die Polklemme der Batterie gebrochen war. „Die Batterie war somit nicht angeklemmt, deswegen sprang Big Nose nicht an“, meinte B.G. und kramte in seiner Werkzeugkiste. Als er nicht fündig wurde, bot Herr Frank seine Hilfe an und machte sich auf den Weg eine Polklemme zu organisieren. „Wenn es nur das ist … das haben wir schnell behoben.“ Nachdem wir dann das Überführungsnummernschild und unser Navigationsgerät mit Tape festgeklebt und alle wichtigen Flüssigkeiten, Schrauben und Verbindungen überprüft hatten, fand B.G. doch noch eine alte Polklemme in seiner Kiste. Schnell war die Batterie wieder angeschlossen und B.G. versuchte den Motor in Gang zu bringen. Doch es tat sich nichts. „Wahrscheinlich haben die Hafenarbeiter mehrfach versucht das Auto anzukriegen und dabei zu lange den Anlasser belastet, so dass dieser überhitzt wurde. Dadurch schmilzt der Isolierüberzug auf der Magnetspule, das heißt, das dort jetzt ein Kurzschluss drin ist, deshalb tut sich da gar nichts mehr,“ erläuterte mir B.G., während ich das Geschehen filmte. Ich fragte nach, was wir denn jetzt unternehmen würden und bekam die Antwort „wir versuchen jetzt Big Nose anzuschleppen, bis er anspringt und dann machen wir ihn nicht mehr aus, bis wir Zuhause sind!“

Mittlerweile war auch Herr Frank wieder eingetroffen. So befestigten wir ein Seil zwischen Big Nose und dem Hafen-Transporter und dieser zog den Bus so lange hinter sich her, bis er ansprang. Mit laufendem Motor gaben Bowl-O-Rama und B.G. den Kanister Benzin in den Tank und dann machten wir uns auf den Heimweg. Ich hatte nur zwei Gedanken „Juchuu, Big Nose ist wieder da!“ und „Oh man, der darf jetzt auf 430 Kilometern nicht einmal ausgehen, sonst stehen wir da!“.

Big Nose erste Fahrt auf deutschen Straßen

Und los ging die wilde Fahrt. Während mein Mann uns im Auto hinterher fuhr, kam ich noch einmal in den Genuss auf der gemütlichen Couch im Bus zu verweilen. Immerhin eine gute Strecke lang, bis wir in Wuppertal das Fahrzeug von B.G. einsammeln und auch ich hinter dem Bus herfahren musste. Die Wolkendecke riss auf, Sonnenschein und blauer Himmel waren anfangs unsere Wegbegleiter – es war fast wie in Amerika. Nur die anderen fehlten neben mir, doch in Gedanken an Chipy, Dancer, Miss Brown und Rudy trällerten B.G. und ich ein Liedchen, ließen die Fenster herunter und die Sonne herein und erfreuten uns an Big Nose, der zum ersten Mal auf deutschen Straßen unterwegs war.

Langsam ging es in die Nachmittagszeit hinein und je näher wir auf Köln zufuhren, desto dichter wurde der Verkehr auf der Autobahn. Die ersten brenzlichen Situationen gab es am Leverkusener Kreuz und später auf der A3 um Köln herum. Stau und Stop´n´Go forderten die volle Konzentration von B.G. Würde er nur einmal falsch reagieren und der Bus ginge aus, würden wir mitten auf der Autobahn zum Erliegen kommen. Das durfte nicht passieren! So, wie B.G. uns schon tausende Kilometer über Berg und Tal durch die USA kutschiert hat, so sicher brachte er auch Big Nose bis nach Linz am Rhein. Dort wurden wir schon von Herrn Geller, dem Besitzer des Hotel Weinstock, empfangen. Wir suchten uns ein nettes Plätzchen unter dem Baum, denn Big Nose sollte noch einige Tage hier verweilen. Am nächsten Tag fand dort das Jump´n´Jive BBQ statt und unser schöner blauer Bus war die Attraktion. Jeder wollte mal auf der Couch Probesitzen und besonders die kleinen Besucher hatten Spaß daran, Busfahrer zu spielen.
Wir hatten es also geschafft – wie so vieles in den letzten Monaten. Obwohl er nicht ansprang, haben wir ihn ans Laufen und rechtzeitig zur Party nach Linz gebracht. Eine Woche später ist auch der neue Anlasser aus den USA eingetroffen und mittlerweile hat Big Nose sein neues Zuhause bei B.G. und Chipy in Ruppichteroth erreicht. Dort kann er sich jetzt etwas ausruhen, bis B.G. Zeit, Geld und Muße hat, ihn für den deutschen Tüv vorzubereiten.

Ich  freue mich über Eure Kommentare und Likes bei Facebook.
Viele liebe Grüße, Eure Bonnie

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3 COMMENTS
  • Dancer 2016-07-09

    Ich freue mich schon auf die erste Mitfahrgelegenheit. Ist mir eine Freude den Bericht zu lesen und das Video weckt die Erinnerungen an das Abenteuer erneut.

  • Bonnie 2016-07-08

    Oh ja!!! Ich freue mich auch schon. 🙂

  • Chipy 2016-07-08

    Danke, dass ihr ih so gut von Bremerhhafen nach Hause gebracht habt… Endlich ist er angekommen und wir freuen uns schon auf viele weitere tolle Touren mit ihm! 😀 <3

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