Der Abschied am Hafen von Galveston / The Farewell at the Port of Galveston

Please use the google translator to read the article in english. It is a funny translation 🙂

 

Tag 20

Ruhetag… ohne Kommentar.  🙂

 

Tag 21

Nicht nur Big Nose ist nervös …

Der Wecker klingelt bereits um 6:15 Uhr. Ihr fragt mich warum? Weil B.G. es so verlangt hat, denn heute musste mein Teint besonders perfekt sein. Ihr wollt wissen was ansteht? Heute ist für Big Nose der wichtigste Tag, denn er hat sein Vorstellungsgespräch zur Überfahrt nach Germany.
Ein letztes Mal werden die Flüssigkeiten kontrolliert, fünf Liter Benzin eingefüllt und alle im Innenraum befindlichen Teile seefest verzurrt. In Schönschrift schreibe ich zwei Anleitungsanweisungen für die Hafenarbeiter, einmal in englisch, einmal in deutsch, die sich nicht mit 1952er GMC Schulbussen auskennen. Diese klebt B.G. gut sichtbar neben den Fahrersitz. Es geht los zur letzten Fahrt, Ziel: Pier 39, Hafen Galveston. Vorab machen wir noch einen kleinen Stop auf dem Seawall Blvd., um die filmreife Kulisse zwischen Meer und malerischen Ferienhäusern mit Palmen einzufangen. Leider waren die Lichtverhältnisse nicht so optimal.

Es ist schön wieder in Big Nose zu sitzen und ich genieße die letzten Meilen bis zum Abschied am Hafen. Jetzt verrate ich euch auch, warum ich heute besonders gut aussehen musste 🙂 B.G. braucht mich als Ablenkungsmanöver für den Hafenkontrolleur, der die Überfahrtgenehmigung erteilt. Wie schon erwähnt führt Big Nose in seinem dicken Bauch etliche vom Wüstenbus gespendeten Teile mit sich, die eigentlich nicht mitgeführt werden dürften, sprich der Bus muss leer sein. Jetzt versteht ihr unser Bangen am heutigen Tag. Dieser Kontrolleur ist das Zünglein an der Waage, ob die Überfahrt genehmigt wird oder ob man mitgeführte Teile in einem separaten Container verschiffen muss, welches in unserem Fall etliche Mehrkosten bedeuten würde.

Das bereits von uns ausgespähte Kontrollhäuschen kommt in Sicht. Es kommt immer näher und näher bis wir an der Stoppmarkierung zum Stehen kommen. B.G. sagt zu mir „jetzt gilt es lächeln und los“. Aber oh weh! Eine Beamtin der Galveston Police interessiert sich kein bisschen für den Innenraum unseres Busses, sondern für eine Einfahrtgenehmigung, die wir nicht vorweisen können. Aber die freundliche Dame reicht uns eine Visitenkarte auf der einige Namen und Telefonnummern abgeduckt sind, hinter der sich der Escort-Service (ein Hafenmitarbeiter nebst Fahrzeug, welches vorausfährt, geleitet einen Hafenbesucher an die richtige Stelle) verbirgt. Mein erstes verführerisches Lächeln war also umsonst. Uns wird mitgeteilt – unmissverständlich mitgeteilt – den Platz umgehend zu verlassen und das Telefonat zur Bestellung des Escort-Services vor dem Hafengelände zu führen. Chipy, die in unserem kleinen roten Mietwagen auf einem Vorplatz des Hafengeländes wartet, springt nervös aus dem Fahrzeug, da sie denkt, dass wir wegen der mitgeführten Teile keine Einfahrtgenehmigung erhalten haben. Es ist schwer sie wieder zu beruhigen. Aber nachdem sie mit einem Herrn der Hafenregistratur gesprochen hat, der ihr zusichert uns in 20 bis 30 Minuten abzuholen, um uns die Einfahrt in der Hafengelände zu ermöglichen, strahlt sie wieder. Wieder beginnt das Bangen.

Jedes aus dem Hafengelände kommende Auto wird von drei Augenpaaren kritisch beäugt. Und jedes Mal, wenn die Fahrzeuge an uns vorbei rollen, kehrt die Nervosität zurück. Ein Kleinwagen biegt zu uns ab, dreht einmal hinter dem Bus und hält an. Wird das unser Essort-Service sein? Nein, der Herr telefoniert nur. Die Nerven liegen blank. Doch endlich erscheint ein schwarzer Pick Up Truck, der sich neben den Bus stellt. Die Scheibe wird heruntergelassen und ein freundliches Lächeln begrüßt uns auf dem texanischsten Texanisch, das wird je gehört haben.
B.G. stößt mir leicht in die Seite „es geht los – Lächeln, Brust raus!“ Ich erzähle dem Fahrer von unserer abenteuerlichen Geschichte und gebe brav mein Visitenkärtchen ab – wie so oft in diesen Tagen. Wieder erklingt das mittlerweile bekannte „awesome“ in unseren Ohren. Weiterhin frage ich, ob ich auf dem Hafengelände Fotos machen dürfe, welches zu meiner Freunde bejaht wird. Schnell steigen wir in den Bus um dem vorausfahrenden Pick Up mit unserem Escort-Guide Richtung Wachhäuschen zu folgen. Hier müssen wir unsere Reisepässe vorzeigen um dann endgültig auf das Hafengelände vordringen zu dürfen. In Schrittgeschwindigkeit verfolgen wir unseren Pick Up. Man merkt Big Nose die Angst an und auch wir werden traurig bei dem Gedanken ihn hier zwischen tausenden anderen Fahrzeugen, die alle ebenfalls verschifft werden sollen, zurücklassen zu müssen.

Wir erreichen eine circa hundert Meter lange Haltebucht, die wir bis zum Ende passieren. Wir übergeben dem Hafenmitarbeiter die von uns mitgeführten Dokumente und eine Kopie des „Titles“ (Fahrzeugbrief), da unserem Agenten von Horizon Shipping Inc. das Original vorliegt. Wir fragen uns, wie es jetzt weitergehen wird. Uns wurde mitgeteilt, dass wir den Bus ohne Warnwesten nicht verlassen dürfen. Wir sehen unseren Hafenarbeiter mit unseren Dokumenten in einer schlichten Blechbaracke verschwinden und schauten uns an – bis jetzt hat sich noch niemand für den Innenraum von Big Nose interessiert.
20 Minuten später erscheint unser Essort-Guide erneut und fordert uns auf, ihm abermals zu folgen. Oh nein, jetzt geht es zur Endkontrolle. Vorsichtig schleichen wir hinter dem Truck her, der uns nach 500 Metern abermals auf einen Parkplatz halten lässt. „Der Kontrolleur kommt gleich“. Uns spricht ein freundliches Paar an, das großes Interesse an Big Nose zeigt, da sie selber Importeure von US Classic Cars sind. Man gerät ins Schwärmen und tauscht Visitenkarten aus.

Nun wird es ernst, B.G. entdeckt den Kontrolleur zuerst. Also heißt es für mich wieder „Lächeln, Brust raus und los!“ Wir haben Glück, ein sehr freundlicher Kontrolleur, der Deutschland während des Studium besucht hatte, hört sich interessiert meine Erzählungen über unser Abenteuer an. Er ist sichtlich begeistert und nach einmal um den Bus laufen klebt der heißersehnte Aufkleber mit den Daten der Überfahrt an Big Nose linker Seitenscheibe. Das war´s! Wir gucken uns erleichtert an. Ein letztes Mal macht B.G. die hässliche Holztür zu, der Abschied schmerzt ein wenig. Denn nach den ganzen Strapazen in den zehn Tagen der Reparatur und den folgenden zwei Wochen und etlichen Meilen haben wir unseren Shorty Bus sehr ins Herz geschlossen. Ein letztes sanftes Streicheln über die große Nase und ein wehmütiger Blick … dann geht es in dem schwarzen Pick Up und dem Essort-Guide zurück zur mittlerweile vor Nervosität verrückt gewordenen Chipy, die schon sehnsüchtig auf uns wartet.

Alles richtig gemacht!

Wir haben es geschafft, mehr können wir nicht tun. Wir haben Big Nose, der zuletzt vor 26 Jahren ein gültiges Kennzeichen trug, von einem Schrottplatz zurück auf die Straße gebracht, sind mit ihm durch sämtliche Klima- und Zeitzonen gebraust, um ihn heute auf die große Überseefahrt zu schicken. Wir haben ein lachendes und ein weinendes Auge. Doch das lachende Auge überwiegt, und so beschließen wir unseren Triumph, denn viele unserer Leser hätten nie gedacht, dass wir es auch nur ansatzweise so weit geschafft hätten, mit herrlich frischen Cocktails zu feiern. Doch ich möchte es so sagen: wir sind ein bisschen stolz auf uns 🙂 Der Himmel ist mittlerweile aufgeklärt und die Sonne strahlt uns mit ihrem breitesten Grinsen an, als wollte sie sagen „toll, alles richtig gemacht!“ Wir verbringen noch einen schönen Tag in Galveston um morgen zeitig unsere Rückreise nach Deutschland anzutreten. Am Abend treffen wir auch wieder auf Miss Brown und Rudy, die den noch sonnigen letzten Tag mit entspannten Unternehmungen verbracht haben, und kehren ein letztes Mal im Denny´s Diner ein.

Big Nose werden wir erst in etwa einem Monat wiedersehen, wenn wir ihn dann in Bremerhaven abholen können. Doch dazu später mehr … Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Euch unsere Reiseerlebnisse direkt aus den USA zu schildern und würde mich über reichlich Kommentare freuen. Für uns ist das Abenteuer Big Nose noch nicht vorbei. Was auf Big Nose in Deutschland zukommt und was er alles erleben wird – darüber berichte ich weiter auf meinem Blog und auf Facebook. Also bleibt dran!

 

Text: Bonnie & B.G.

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7 COMMENTS
  • Michael Fromkorth 2016-04-23

    Dankeschön. Ein Krimi könnte nicht spannender sein. Freu mich sehr auf die nächsten Folgen.

  • B.G. 2016-04-22

    … Chipy meine natürlich “Flut“, nicht “ Wut“.
    (Wütend ist Sie immer nur auf mich ;-))

  • B.G. 2016-04-22

    … ich habe Tränen in den Augen !!! 🙂

    Aber nicht nur, weil manche Bilder so herrlich traurig machen, sonder auch wegen dem Foto, auf dem man meine frischgekauften Flip Flops nebst Preisschild unter den Sohlen sehen kann.

    Das ist wahre Berichterstattung 🙂

    Einfach superklasse Britta !!!!

    • Chipy 2016-04-22

      *lol*

  • Chipy 2016-04-22

    Hoffentlich geht es dem armen Kerl gut. und er wurde nicht von der Wut weggespült. Ich freue mich schon darauf ihn wieder in die Arme zu schließen! 🙂

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